Sofia ist die Hauptstadt und die größte Stadt Bulgariens und belegt den 12. Bevölkerungsplatz in der EU mit 1,4 Mio Einwohner, die in der hauptstädtischen Gemeinde leben.
Sofia hat eine lange Geschichte, die Jahrtausende zurück verfolgt werden kann. In den Jahrhunderten wurde sie von vielen Nationen bevölkert, die zu ihrer ereignisreichen Geschichte beigetragen haben. In diesem Gebiet wurde eine Vielzahl neolithischer Siedlungen gefunden, und neulich auch eine chalkolithische Siedlung im modernen Stadtzentrum von Sofia. Der thrakische Stamm Serdi wurde dort im 7. J. v. Ch. ansässig und gab der Stadt ihren ersten schriftlich nachgewiesenen Namen – Serdika. Die Byzantiner nannten sie Triaditsa, und die Slawen – Sredets. Die Stadt wurde im 14. Jahrhundert Sofia benannt, nach der Basilika St. Sofia. Im 3. Jahrhundert errichteten die Römer Stadtmauern rund um Serdika – die Hauptstadt inneren Dakiens und ein wichtiger Haltepunkt auf dem Weg von Naissus (heute Nis, Serbien) nach Konstantinopel. Heute gibt es in Sofia sehr viele archäologische Objekte, die auf die abwechslungreiche Geschichte der Stadt hinweisen: der Schloss und die Türme Serdikas, so wie öffentliche Gebäude und Straßen, die tausende Jahre alt sind. Der Großteil der antiken Stadt Serdika befindet sich heute unter wichtigen zeitgenössischen Gebäuden. Das antike Stadtrat (bulefteris) liegt unter dem Hotel Sheraton verborgen, und zahlreiche Basiliken - unter dem Gerichtsgebäude. Die alten römischen Bäder befinden sich unter den Mineralbädern von Sofia und eine römische Wohnung mit komplizierten Mosaiken – unter dem Hotel Rila. Nach der Invasion der Hunnen im Jahre 441 wurde die Stadt vom byzantinischen Reich wieder aufgebaut. Die Slawan messen ihrerseits der Stadt eine große Bedeutung während des ersten Bulgarischen Reiches bis 1018 bei, als Byzanz sie erobert. Ende des 12. Jahrhunderts rufen die Bulgaren Sredets wieder ins Leben zurück und verwandeln die Stadt in dem größten Handelszentrum im zweiten Bulgarischen Reich. Die Türken erobern Serdika 1382 und machen sie zur Hauptstadt von Ostrumelien. Die Stadt kommt herunter während des feudalen Aufstandes im 19. Jahrhundert, wird aber nach der Gründung des Dritten Bulgarischen Reiches im Jahr 1879 die Hauptstadt Bulgariens.
Das Abbild der Stadt hat große Veränderungen auf dem Weg von ihren orientalischen Wurzeln zu ihrer neuen europäischen Identität erfahren. Heute haben sehr viele Straßen, Gebäude, Parks und sogar ganze Stadtviertel ihren Architekturstil vom Beginn des 20. Jahrhunderts aufrecht erhalten. Zwischen 1879 und 1939 wächst die Einwohnerzahl von etwa 20.000 auf 300.000 Menschen. Heute bietet Sofia mehr als 1.250.000 Menschen ein Zuhause.
Die erste Sehenswürdigkeit, die die Touristen besichtigen ist die Alexander-Newski-Kathedrale. Sie wurde zu Ehren des russischen Zar Alexander II., „des Befreiers“ – dessen Armee Bulgarien von der osmanischen Herrschaft befreite – errichtet und nach dem russischen Nationalheiligen Alexander Newski – dem Schutzpatron des Zaren und seiner Familie – benannt. Der erste Grundstein wurde 1882 gelegt, das Gebäude wurde jedoch erst 1912 fertiggestellt. Der russische Architekt Pomeranzew errichtete die Kathedrale im typisch neobyzantinischen Stil, der im 19. Jahrhundert in Russland sehr modern war. Bemerkenswert sind der sienische und der kararische Marmor am Eingang, der brasilianische Onyx und Alabaster auf den Thronen des Königs und des Patriarchen, die Fenster mit Glasmalereien, die Heiligenbilder, die bunten Wandmalereien und die grandiosen Kronleuchter. Auf dem Platz, an dem die Kathedrale steht, gibt es sehr viele Souvenierstände (im Sommer als auch im Winter) und er ist ein beliebter Ort für politische Demonstrationen.
In der ehemaligen Präsidentenresidenz untergebracht, inmitten einer Parkanlage, nördlich von der Sofioter Ringstraße befindlich, bietet das bulgarische Nationale Historische Museum eine Reise in die vergangene Zeit durch die mindestens acht Jahrtausende alte Geschichte der menschlichen Zivilisation auf der Balkanhalbinsel. Das Gebäude an sich ist eine originelle Sehenswürdigkeit, die bis 1989 den kommunistischen Führern als offizielle Residenz gedient hat. Wenn jemals einer auf die Idee kommt eine Zeitschrift über zukünftige Diktatoren herauszugeben, so wären die Marmorsäle und die reich dekorierten Decken ideal für die Titelseite. Die geräumige Treppe führt zu den Ausstellungsräumen, wo der neolithische Saal in Kreisform Keramikgefäße und Figuren mit prachtvoller Verzierung beherbergt. Unter den Darstellungen der Mutter-Erde-Göttin ist eine Plastik eines üppigen weiblichen Gesäßes von vor sechs tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung zu finden, der in der Region von Sofia entdeckt wurde. Es folgt der Thrakische Saal: leider werden zur Zeit sehr viele der thrakischen Schätze Bulgariens in verschieden westlichen Museen im Ausland ausgestellt und es ist unklar wann sie wieder in die Heimat zurück kommen werden. Es gibt jedoch genug thrakische Gefäße, fantastisch verziehrt mit mythischen Tieren, die Ihren Museumbesuch rechtfertigen würden. Die größte Enttäuschung ist der mittelalterliche Saal, in dem hauptsächlich Kopien von Gegenständen, die woanders aufbewahrt werden, oder Bilder von zerstörten Kirchen und Festungen in ganz Bulgarien ausgestellt sind. Dies ist eher eine thematische Ausstellung zu Ausbildungszwecken als eine seriöse Museumsausstellung, aber sie weckt trotzdem mit Sicherheit die Lust auf zusätzliche Reisen durch das Land. Im zweiten werden eine großartige Ausstellung von bunten Volkstrachten und Teppiche und eine bemerkenswerte Sammlung von Postern, Fotos und Haushaltsgegenständen gezeigt, die die soziale Geschichte Bulgariens im 20. Jahrhundert bezeugen.
Untergebracht in dem schönen restaurierten Gebäude einer Moschee aus dem 15. Jahrhundert macht diese attraktive Ausstellung von thrakischen, griechischen, römischen und bulgarischen Artefakten aus dem Mittelalter das Archäologische Museum zum angenehmsten Besichtigungsziel unter den Museen in Sofia. Beeindruckende Stücke aus griechischen und römischen Mauerwerken sind im Hauptsaal verteilt, und im zweiten Stock befinden sich viele der sensationellen thrakischen Schätze, die in den letzten Jahren von den bulgarischen Archäologen entdeckt wurden. Das allerbeeindruckendste von allem ist die Bestattungsmaske eines thrakischen Herrschers aus dem 4. J. v. Ch. aus reinem Gold, die in Zentralbulgarien, in der Stadt Shipka, im Sommer 2004 ausgegraben wurde. Eine Serie von orthodoxen kirchlichen Bildern, die das Leben und das Märtyrertum des Heiligen Georgi darstellen, ist in der Galerie im ersten Stock zu sehen, und die einmaligen mittelalterlichen bulgarischen Schmuckstücke, die in dem Saal ausgestellt sind, sehen modern genug aus, um die heutigen Designer zu inspirieren. Die zweisprachigen Aufschriften in Bulgarisch und Englisch sind fast überall zu finden, und die Sammlung ist genau so groß, dass man sie mit einer Besichtigung wahrnehmen kann.
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